Ich bin nun einen Monat in Indien. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Das mache ich am besten in Form eines Listicals: Diese 15 Punkte stehen in keinem Reiseführer und können als Reiseratschläge für Indien verwendet werden:

1. Indien ist das gastfreundlichste Land der Welt. Auch wenn die Inder noch mit dem letzten Bissen im Mund bereits vom Tisch aufstehen. Und auch gleich mit dem Essen beginnen, wenn der Teller auf dem Tisch steht. Auf die anderen warten gilt zumindest beim Essen nicht. Nicht weil sie unfreundlich sind – im Gegenteil – sondern weil essen eben nicht wie bei uns die einzige Viertelstunde im Tag ist, bei dem die Familie zusammen kommt. Deshalb muss kein großes Trara um das gemeinsame Essen gemacht werden.

2. In Indien herrscht wie in England Linksverkehr. Trotzdem sollte man beim Überqueren der Strasse in BEIDE Richtungen schauen. Es gibt immer eine Motorrad oder eine Rikscha, die seitlich in die Gegenrichtung fährt. Anhalten wird ein Fahrzeug in Indien nie.

3. Wie in fast allen asiatischen Ländern halten sich Paare ganz selten an den Händen, geschweige denn Küssen sich in der Öffentlichkeit. Für Inder ist die Schweiz oder Deutschland ein öffentlicher Pornofilm. touchy ist man nur mit Freunden oder wenn man im Gedränge in den überquellenden Städten angerempelt wird. 

4. Die rechte Hand für das Geschäft, die linke Hand für das andere Geschäft: Man isst mit der rechten Hand und benutzt die linke Hand für den Toilettengang. Erstaunlich, wie schnell man sich das körpereigene Toilettenpapier gewöhnt.

5. Im Zug auf der Toilette sollte man die Klospülung nie mit der Notbremse verwechseln, obwohl sie sich täuschend ähnlich sehen. Ansonsten hält der Zug an und man hat alle Zugbegleiter, Polizisten und die Hälfte der Passagiere vor der Türe. 

6. Eine  2000-Kilometer-Zugfahrt kostet so viel wie ein Tagesticket für die U-Bahn in einer europäischen Großstadt. Bei den Zügen ist draussen eine Namensliste der Passagiere aufgehängt. Ein Ticket gibt es nur mit einer Kopie des Passes. Online buchen kann man auf cleartrip.com

Bei Umesh gibt es Chai-Tee. Und Kaffee für mich

Bei Umesh gibt es Chai-Tee für meine indischen Arbeitskollegen. Und Kaffee für mich.

7. Mach nie ein Foto von Indern, die Alkohol konsumieren! Auch nicht von deinen Freunden oder Kollegen. Die Inder geniessen den Alkohol kaum, sondern trinken in einem seltsamen innern Zwang gehorchend und mit einem schlechten Gewissen. Alkohol trinken ist in Gandhis Land verpönt. Natürlich machen es die Menschen trotzdem. In ländlichen Gegenden führt das Alkoholproblem zu Verarmung und Gewalt.

8. Indien macht nicht krank! Ich hatte in diesem Monat kein einziges Mal irgendwelche Magenprobleme oder Durchfall geschweige denn Kotzen! Zum Kotzen sind nur all die Vorurteile von westlichen Besuchern. Übel wird einem nur, wenn man in irgendwelchen überteuerten Touristenlokale Spaghetti isst. Weil das können die Inder nicht kochen. Genauso wenig wie wir indisch kochen können. Am besten ist das Essen in den Strassenständen! Da sind die Pfannen zwar nicht wirklich sauber, das Essen dafür sehr heiss und von Bakterien befreit – und grandios zubereitet. Ach ja, und 99 % der Indien-Besucher werden krank, weil sie glauben, krank zu werden.

9. Es gibt in Indien Shoppingmalls, die einen Blackberry-Store und einen Pizza Hut unter einem Dach vereinen, während draussen Menschen in Mülltonnen nach Essen suchen.

10. Indien ist nicht für Warmduscher (im doppelten Sinn): warmes Wasser gibt es selten bis nie. Möchte man warm duschen, heizt man das Wasser in einem Eimer mit einem Mini-Brennstab auf und schüttet es sich danach mit einem kleineren Eimer über den Kopf.

11. Die Wörter „Danke“ und „Entschuldigung“ gibt es im indischen Wortschatz zwar, aber die Höflichkeitsformeln benutzt schlichtweg niemand. Das hat wieder nichts mit frevelhaftem Verhalten zu tun, sondern mit der Masse der Menschen. Man müsste nämlich rund 1000 Mal pro Tag Entschuldigung sagen, wenn man irgendwo vorbei will.

12. Vor zehn Uhr morgens arbeitet in den Büros praktisch niemand – im Sommer wird es noch später.

13. In manchen Dörfern unterrichten drei Lehrer 400 Kinder.

14. In Indien scheinen alle Produkte über dem Datum zu sein. Das ist aber nicht so. In Indien wird das Abfülldatum aufgedruckt, nicht das Ablaufdatum. Die Produkte sind gut ein halbes Jahr nach Produktionsdatum geniessbar.

15. Viele Inder mögen Hitler! Das habe ich in einem Taxi selbst erlebt: Als mich der Fahrer fragte, woher ich komme und ich mal wieder mit Germany anstatt Switzerland geantwortet habe, meint er: „Yeah, Hitler“. Er sei ein mächtiger Mann gewesen, genau wie Stalin oder Napoleon. Das ist aber nicht, weil die Inder mit Nazis sympathisieren, sondern wegen Arier, Hakenkreuz, das hier Swastika heisst, oder der fehlenden Bildung. Darüber diskutieren ist sinnlos. Einfach subtil das Thema wechseln.

Ich wüsste noch viel mehr, aber das war es jetzt mal vorerst. Dieser Post erschien zuerst auf Facebook und Instagram.